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Schmuck-Bild Projekte und Aktionen

Engagement: Wo Spinner neue Netze knüpfen,
Projekte im Oscar-Romero-Haus

Bild: Demonstration der Romeros für den Atomausstieg
Demonstration für den Atomausstieg

Ob ökologische Umgestaltung des Hauses Ende der achtziger Jahre, ob "Totalverweigererkollektiv" zu Zeiten des Golfkrieges 1990 oder die Aufnahme von Flüchtlingsfamilien aus Bosnien im Haus Mitte der neunziger Jahre - die Projekte des Hauses standen immer im Bezug zu ihrer Zeit und nicht selten widersprachen sie dem herrschenden Zeitgeist.

Begünstigt wird ein solches Engagement durch die besondere Wohnsituation im Oscar-Romero-Haus. Es bietet den BewohnerInnen einen finanziellen, räumlichen und selbstbestimmten Freiraum als Fundament. Darüber hinaus leben die BewohnerInnen mit der Selbstverpflichtung zum gemeinsamen, im weitesten Sinne politischen Engagement zusammen.

Das Zusammenwohnen vereinfacht vieles: Wo so viele Menschen ihre eigenen Anliegen und Utopien mitbringen, wird das Ausspinnen gemeinsamer Ideen zwischen Tür und Angel, Kaffee und Abendbrot, Küche und Badezimmer leicht. Zudem laufen viele organisatorische Fäden ohne großen Aufwand zusammen.

In den letzten Jahren wird von staatlicher Seite bzw. deren RepräsentantInnen von den BürgerInnen größere Eigenverantwortlichkeit angemahnt. Tatsächlich jedoch verstärkt sich eine politische Tendenz, in der sich der Staat immer mehr aus seiner sozialen Verantwortung den Einzelnen gegenüber stiehlt. Das soziale Netz wird brüchig, eine Ellenbogenmentalität macht sich breit und das sozial kälter werdende Klima führt zu Vereinzelung, selbstischer Sorge um das eigene Weiterkommen und zu Konkurrenzängsten anstelle von möglichem Zusammenschluss und gegenseitiger Hilfe.

Bild: Diskussionsrunde der Bewohner des Hauses zum Thema Klimagipfel
Diskussion zum Klimagipfel

In dieser Situation dringen immer mehr existentielle Bedrohungen und Probleme ins Bewusstsein der Menschen. Es gibt zur Zeit nicht das große politische Thema, das eine breite Bewegung auslöst. An jeder Ecke scheint es zu brennen: Gentechnologie, Arbeitslosigkeit, Atomtransporte, Rassismus, kriegerische Auseinandersetzungen... usw., usf... Viele reagieren auf diese Situation mit Resignation.

Um die Verwandtschaft der Gedanken und Anliegen zu verdeutlichen, die sowohl dem 'Dauerprojekt Spielplatz' als auch den anderen Projekten zugrunde liegen zu verdeutlichen, sei an dieser Stelle aus dem Bewerbungsschreiben zum BürgerInnenwettbewerb Markus Rieger zitiert:

"Eine Kulturarbeit, die stadtteilbezogen arbeitet, die die Bedürfnisse der AnwohnerInnen in den Vordergrund stellt, kann hier einen ersten Anfang der Rekultivierung des 'Sozialmilieus' Stadtteil, Viertel, Straße etc. bedeuten. Dabei erscheint es wichtig, gleichzeitig die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Religionen und Weltanschauungen zu organisieren."
Bild:Bei dem Projekt Kulturküche bereitet eine Teilnehmerin Suppe zu
Kulturküche

Die Projekte im Haus verstehen sich ausdrücklich nicht als Instrument 'politischer Agitation', sondern sie wollen Mut und Anregung zum Mit- und Weitermachen geben und aufzeigen, dass niemand mit seiner gesellschaftlichen Situation, seiner Kritik an ihr und seinen spinnerten Träumen alleine dasteht. Sie versuchen zu vermitteln, dass gesellschaftlich relevante Veränderungen immer bei einem/einer selbst beginnen und schaffen Anknüpfungspunkte sowie eine Plattform, auf der sich Menschen solidarisieren können.

Wenn auch in den Anfangszeiten der Projekte die Skepsis sogar im eigenen Haus (zwischen den Etagen dem jeweils anderen Projekt gegenüber) groß war, - sei es in bezug auf Sinn oder Realisierbarkeit - so zeigt deren zum Teil beachtliche Erfolg , dass es in der Gesellschaft ein großes Bedürfnis nach eben jenen Angeboten gibt. Nicht zuletzt reißt der Spaß, den die InitiatorInnen bei ihrer Tätigkeit haben, viele Menschen mit und hilft allen Spinnern, immer größere und neue Netze zu knüpfen.


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