Josef Messinger wurde beschuldigt, im Dezember 1930 am so genannten "Blutigen Sonntag" den jungen Nazi Klaus Clemens erschossen zu haben. Obwohl Messinger in einem Prozess 1931 vom Vorwurf des Mordes freigesprochen wurde, galt er den Nazis weiter als "der Mörder von Klaus Clemens". Clemens wurde von ihnen als "Märtyrer der Bewegung" hochstilisiert. So wurde unter anderem im März 1933 die Bonner Rheinbrücke in "Klaus-Clemens-Brücke" umbenannt.
Am 1.März 1933 wurde Josef Messinger verhaftet und im Gefängnis in der Wilhelmstraße inhaftiert. Er wurde mehrfach zu Verhören hier in die SS-Kaserne gebracht und dort in den ehemaligen Gefängniszellen, die den Nazis als Folterkeller dienten, schwer misshandelt. So berichtete er seinem ebenfalls inhaftierten Schwager, daß man ihn nackt ausgezogen hat und er mit einem harten Wasserstrahl aus einem Hydrantenschlauch bis zur Besinnungslosigkeit gefoltert wurde. Außerdem wurde er von SS-Leuten mit Reitpeitschen und anderen Gegenständen malträtiert. Bei seinem letzten Verhör am 11. Juli wurde er so schwer misshandelt, dass er noch in der darauffolgenden Nacht starb. In der Öffentlichkeit verbreitete man das Gerücht, er habe Selbstmord begangen.
Im Juni 2003 hat der Künstler Gunter Demnig im Beueler Stadtteil Limperich
im Auftrag des "Förderkreises Oscar-Romero-Hauses e.V." einen "Stolperstein"
verlegt. Mit diesem Stein möchte der Förderkreis an das Schicksal Josef
Messingers erinnern. Zu finden ist der Stolperstein auf dem Gehweg vor seinem
früherem Wohnhaus "Am Finkenberg 1". Zum Schicksal von Josef Messinger gibt
es auch einen Videofilm von Bernd Geisen: Josef Messinger, Bundesrepublik
Deutschland 1989, Farbe, ca. 30 Minuten.
Ausleihbar bei: Verein An der Synagoge e.V., Franziskanerstr. 9, 53113 Bonn,
Tel.: 0228/69 52 40, FAX: 0228/69 52 19.
