"Euer wohlgeboren benachrichtige ich hiermit, daß das neuerbaute Kreis-Cantongefängniß
in der Viktoriastraße hierselbst heute bezogen worden ist." Mit dieser kurzen
Nachricht des Landrats von Sandt beginnt die Geschichte des Gebäudes an
der heutigen Heerstraße ...
Am 12. Januar 1869 konnte das neue Gefängnis in der damaligen Viktoriastraße
bezogen werden. 1878 wurde das Gefängnis nach Westen hin um einen Trakt
erweitert. In dem Erweiterungsbau war auch ein "geeigneter Raum für eine
Kapelle" vorhanden ...
Die männlichen Gefangenen aus dem Kantongefängnis wurden im 1864 erbauten
Gefängnis hinter dem Landgericht untergebracht, die dort bisher in Gewahrsam
genommenen Frauen sämtlich im Haus an der Viktoriastraße, das von nun an
"Königliches Weibergefängniß" hieß ...
Im Zuge der Revolution, die in Bonn einen wohl einzigartigen Arbeiter-,
Bürger- und Soldatenrat hervorbrachte, stürmten revoltierende Soldaten am
8. November 1918 zuerst das Militärgefängnis und dann die übrigen Gefängnisse
...
Ab dem 1. April 1933 nutzte die NSDAP das Haus an der Viktoriastraße. Allerdings
liegt erst für Oktober 1934 ein Mietvertrag vor. Obwohl das Liegenschaftsamt
die Miete auf 180 DM monatlich festgelegt hatte, zahlte die SS nur eine
Anerkennungsgebühr von 15 DM pro Monat ...
"Bei der heutigen Besichtigung Viktoriastr. No. 27 Bes. (Besitzer, d.Verf.)
habe ich folgendes festgestellt: Das Dach ist undicht und läßt Wasser durch
bis zum 2 Obergeschoß ..."
Anfang der siebziger Jahre sollte das Haus abgerissen werden. Doch unter
der Leitung des damaligen Studentenpfarrers Martin Huthmann wurde das Haus
unter der Trägerschaft des Hilfswerks der katholischen Studentengemeinde
von Studierenden und einigen Helfern renoviert und umgebaut.
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